Astrologie und Naturwissenschaften

Symbole und Zuordnungen

Einfluss und Wirkung

Tierkreise, Sternbilder, Sternzeichen

Tierkreise, Sternbilder und SternzeichenSonnenaufgang in der Wüste

Es waren die Sumerer, die bei der Beobachtung des täglichen Sonnenaufgangs vor mehr als 4000 Jahren entdeckten, dass im Jahresverlauf immer wieder dieselben Gruppen von Sternen den Hintergrund des Spektakels bildeten und diese zu „Bildern“ zusammendachten. Elf Bilder von Tieren meinten sie zunächst zu erkennen, aus den Scheren des Skorpions wurde später das Bild der Waage, und so kam es zu den 12 Sternbildern, die damals den Tierkreis bildeten.

Man muss sich aber klar machen, dass die auf diese Weise zusammengedachten Bilder nicht die astronomische Wirklichkeit widerspiegeln: Die Tiefe des Raums wurde nicht berücksichtigt, so dass in Wirklichkeit weit auseinander stehende Sterne miteinander verknüpft wurden, die tatsächlich gar nichts miteinander zu tun haben.  Man kann sich den Vorgang so vorstellen, wie wenn man scheinbare Bilder in Wolkenformationen sieht oder ein Gesicht in einer Baumrinde (Pareidolie). In der Astronomie werden Sternbilder noch heute verwendet, um Angaben über die Position z. B. eines Meteoritenschwarms für Laien zu machen.

                                                                

Der verwendete Tierkreis aus Sternbildern heißt siderischer Tierkreis nach dem lateinischen Wort SIDUS = Stern. Von Astrologinnen und Astrologen wurde den Sternbildern zu keiner Zeit eine eigene "Wirkung" zugeschrieben, sie dienten (und dienen) der Ortsbestimmung in der unendlichen Weite des Alls. Anderslautetende Aussagen kommen von astrologisch Ungebildeten, die sich etwas zusammengereimt haben.

Die Geburt der Astrologie kann hier angenommen werden, denn sie beruhte auf der Feststellung der Planetenpositionen in den Sternbildern des Tierkreises durch konkrete Beobachtung.

Die Planetenpositionen wurden zusammen mit Ereignissen in der jeweiligen Stadt täglich auf Keilschrifttafeln notiert und so entstanden riesige Keilschriftbibliotheken, die bis heute noch gar nicht alle ausgewertet sind.

Die Astrologen der Antike kannten sie jedoch und hielten sie in ihren Schriften fest.

 

Theologisch definierten Sumerer und Babylonier die 12 Sternbilder als Paläste ihrer Gottheiten, die jeweils über zwei Planeten, Sonne und Mond herrschten.

Astrologie war zu dieser Zeit eine religiöse Staatsangelegenheit mit zwei wesentlichen Aufgaben:

  • Den Frieden mit den Göttern zu sichern, indem deren Willen erkundet wurde und

  • den jeweiligen Herrscher in seinen Entscheidungen zu beraten (in Übereinstimmung mit den siderischen Zeichen).

Dann kam ab dem Jahr 800 (v. Chr.) die Katastrophe:
Es wurde immer deutlicher, dass die als fix betrachteten Sternbilder sich bewegen und frühere astronomische Daten nicht mehr stimmten.
Heute wissen wir, dass dies das Ergebnis der Präzession (der Pendelbewegung der Erdachse) ist.

Ein neuer Tierkreis wurde gebraucht und die Mathematik fand ihn!

Griechische, ägyptische und babylonische Astrologen suchten nach einem Ausweg. Aber die griechischen Mathematiker (vermutlich unter Beteiligung von Pythagoras) fanden die geniale Lösung:

Sie berechneten einen Tierkreis, der sich nicht mehr nach den Sternbildern richtete, sondern nach dem scheinbaren Lauf der Sonne um die Erde, nach der Ekliptik. In der schematischen Darstellung rechts ist das die rote Linie. Fixiert an den Wendepunkten wurde er für das Sonnensystem berechnet und ab der Zeitenwende allmählich in die Astrologie der Okzidents eingeführt. Spätestens seit Ptolemäus ist er Standard in der westlichen Astrologie. Die Ekliptik ist die Grundlage des neuen Tierkreises: Von der Erde aus gesehen scheint es so, als laufe die Sonne um die Erde. Dies ist die Erfahrung der Menschen. Und da Astrologie für Menschen auf der Erde gilt, nimmt sie diese Erfahrung auf.

Es handelt sich um einen reinen Messkreis, der mit den Sternbildern nichts mehr zu tun hat. Seine Ausrichtung an den vier Wendepunkten (im Wikimedia-Bild als Kalenderdaten dargestellt) im Jahreskreis gab ihm den Namen "tropisch", was sich ableitet von griechisch tropoi, was "Wendungen, Wendepunkte" bedeutet. Mit der geografischen Bezeichnung "Tropen" hat er nichts zu tun. Anhand dieser Wendepunkte  wird der Jahreskreis in 12 gleich große Abschnitte à 30° unterteilt = die Tierkreiszeichen von Widder bis Fische, beginnend mit dem Frühlingspunkt im Widder.

Der „neue“ mathematische Tierkreis ist also ein gedachter Kreis in der Ebene der Ekliptik (der Erdumlaufbahn), der die Zeit, die die Sonne für einen Umlauf benötigt, in 12 Abschnitte zu je 30° aufteilt. Das astrologische Jahr beginnt immer im Moment der Tag- und Nachtgleiche im Frühling (Nordhalbkugel) mit 0° Widder.

Um die in immerhin bereits mehr als 2000 Jahre währender Geschichte der Astrologie gesammelten Daten weiter verwenden zu können, gab man den Abschnitten im tropischen Tierkreis die Namen der Sternbilder, die zu Beginn der Datensammlung dort von der Erde aus zu sehen waren. So konnten alle Erfahrungen mit Planetenkonstellationen weiter verwendet werden.

Noch einmal in Kurzfassung: